Got more than one Soul - zu Gast bei Cotic Bikes

Wir sind vorrangig nach England gefahren, um unsere dort ansässigen Hersteller zu besuchen.

Allen voran sind hier natürlich Cy und Paul von Cotic zu nennen. Carsten kennt beide schon persönlich, ich hatte bislang noch nicht das Vergnügen. Wir waren also gespannt was uns im Peak District erwartet.

Die Fahrt war anstrengend und vom englischen Wetter geprägt - ein gepflegter Nieselregen begleitete uns während eines Großteils der Fahrt von Hull nach Calver. In dem kleinen Dörfchen mitten im Grünen befinden sich das Lager von Cotic.

anfahrt

Dort hatten wir einen Termin, zu dem wir auch pünktlich kamen - ganz ohne moderne Navigationshilfsmittel. Wie es sich für einen Nischenhersteller gehört, befinden sich die Räumlichkeiten auch relativ schmucklos auf einem Gelände, das von mehreren Firmen genutzt wird.

Cy war bei unserer Ankunft gerade dabei, die neuen und noch nicht der Öffentlichkeit präsentierten Fullys aus seinem Van zu holen und in den Tiefen des Lagers zu verstauen. Nach der Übergabe unseres kräuterlastigen Gastgeschenks machten wir es uns in dem spartanisch eingerichteten Büro gemütlich. Carsten und Cy unterhielten sich über zahlreiche Details und jeder schilderte seine Erfahrungen mit den Modellen der aktuellen Serie. Cy erzählte uns, dass die neuen Modelle schon bei den englischen Magazinen getestet worden seien und dass die Eindrücke von seiner Testcrew und ihm dort weitestgehend betätigt worden sind.

Ein Problem in der Modellpalette bestand darin, dass es für manche Cotic Hardtailfahrer kein logisches Produkt im vollgefederten Bereich gab. Wenn man ein Hardtail mit 120mm Federweg an der Gabel gewohnt sei, so die Idee, wäre ein eher abfahrtorientiertes Fully wie das Rocket mit 160mm Federweg einfach zu viel. Es würde den Einsatzbereich zwar deutlich erweitern; das allerdings wünschten sich die Hardtailfahrer gar nicht, sie suchen im Gegensatz einfach mehr Kontrolle auf dem Trail und ein Plus an Komfort.

Da die Neuerungen bei Cotic seit Anbeginn eher überlegt und nicht als den immer kürzeren Trends nachrennend ausfallen, war es schon ein großer Schritt, überhaupt weitere vollgefederte Modelle auf den Markt zu bringen. Die Verkaufszahlen und unzähligen begeisterten Rückmeldungen der Besitzer aber zeigten Cy, dass die Zeit für einen weiteren großen Schritt reif wäre. In den vergangenen fast 1,5 Jahren hat er sich daher gründlich mit den logischen Ergänzungen der Modellpalette beschäftigt; überlegt, konstruiert, getestet, modifiziert und letztlich bis zur Serienreife gebracht.

Im voll gestellten Lager konnten wir neben unzähligen Kartons und Teilen schon die neuen Bikes erkennen. Und so liessen wir den Kaffee kalt werden und holten sie hervor - die neuen Droplink-Fullys von Cotic!

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Cy stellte uns zuerst das neue Rocket Max vor. Ein Trail- und Endurobike für 27.5 oder 29“-Laufräder mit 140mm Federweg am Heck. Der Rahmen sieht super aus und ist mit allen aktuellen Cotic-eigenen Details versehen. Selbstverständlich ist er aus feinem englischen Stahl und mit u.a. einer ISCG-Aufnahme und einer Kabelführung für eine intern oder extern anzusteuernde Dropper-Sattelstütze ausgestattet.

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Das „Max“ im Namen steht für maximale Reifenfreiheit: Der Rahmen kann entweder mit 27.5-Laufrädern aufgebaut werden, wobei dann Reifen bis maximal 2.8“ fahrbar werden. Bei verbautem 29“-Laufradsatz passen immer noch Reifen bis 2.5“ in den massiven Hinterbau. Dazu kommt, dass die Hinterbauten der „Max“-Modelle schon mit neuen Boost-Standard (148x12mm mit Syntace X12-Steckachse) ausgestattet sind. Die normalen Modelle (Non-Max) werden weiterhin für 142x12mm-Laufräder gebaut.

Als nächstes zog Cy das Flare 275 aus dem Lager. Das Flare 275 ergänzt die Modellpalette von Cotic ein wenig nach unten, bietet es doch nur 130mm Federweg und ist, im Gegensatz zu den anderen Modellen, sogar mit dem Blick auf ein geringes Gewicht konstruiert. Im Gegensatz zum Rocket 275 hat das Flare z.B. ein konisches Steuerrohr, was, ebenso wie der verbaute Rohrsatz, eine Gewichtsersparnis von ca. 300g gegenüber dem Rocket bietet. Selbstverständlich dürfte sein, dass auch das Flare keinesfalls als windiges Leichtbaubike für Aufsehen sorgt, sondern als rassiges Trailbike mit allen bekannten Cotic-Vorteilen wie dem austauschbaren Ausfallende von Syntace, dem Gewinde für einen Flaschenhalter und der Kabelführung für intern oder extern zu verlegende höhenverstellbare Sattelstützen.

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Carsten und ich standen noch beeindruckt vor den beiden Bikes, als Cy Nummer drei unser heutigen Überraschungen hervorholte - das Flare Max. Die logische Ergänzung zum Flare stellt diesen Rahmen für große Laufräder dar. Es bietet 120mm Federweg am Heck. In den Hinterbau passen 29“-Laufräder in einer Breite bis max. 2.4“ oder ebenfalls wie beim Rocket Max 27.5“-Laufräder bis 2.8“ Reifenbreite.

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Das war sie also die größte und wichtigste Neuerung seit Vorstellung des Soul. Cy befand, dass es an der Zeit sei, zum gemütlichen Teil über zu gehen und lud uns in ein Pub ein, wo er uns Rede und Antwort zu allen möglichen Themen stand. Cy plauderte aus dem Nähkästchen und hatte sogar für getestete Carbonbauteile in den Droplink-Rahmen die Gewichte bis aufs Gramm genau parat.

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Selbstverständlich wollten wir auch ein bisschen Geschichtsunterricht haben und die Geschichte von Cotic und Cy's gelebtem Traum nochmal live hören. Auf einer Messe ist er vor einiger Zeit von einem Kunden der ersten Stunde angesprochen worden, der etwas einmaliges hatte: ein noch nie aufgebautes Soul der ersten Serie. Ein Traumrahmen, leider wurden die Rahmen der ersten Serie in einer nicht bestellten Farbe geliefert.

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Wir hätten schon von einem kurzweiligen, spannenden und interessantem Tag sprechen können, wenn wir Cy nur wegen seiner Geschichte und den bekannten Rahmen besucht zu hätten. Die neuen Modelle und die damit einhergehende größte Produkterweiterung im Sortiment unseres ältesten Herstellers live erleben zu dürfen, liess diesen Tag natürlich auch für uns zu einem sehr wichtigen Tag werden, den wir so schnell nicht vergessen werden.